Freitag, 14.01.2005
Heimat - Hoimat - Hoamat
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KEIN SCHÖNER LAND von Franz Wittenbrink Vor dem morgigen Besuch der Münchner Kammerspiele mit unserem Besuch aus Seeg hier die Besprechung in der Süddeutschen Zeitung von Kristina Maidt-Zinke.
(Foto: Rabanus)
Das Verblüffende an [Wittenbrinks] künstlerischem Konzept ist, dass es keiner theoretischen Erklärung bedarf, dass es ganz ohne Worte auskommt, die jenseits der Liedtexte liegen, und auf minimale szenische Zutaten angewiesen ist. Wenn das funktionieren soll, dann muss ein ausgeklügelte Dramaturgie dahinter stecken, die etwas von der Ökonomie der Empfindungen weiß. ... Was sich auf der Bühne abspielt, lässt sich leicht auf einen Nenner bringen: Sieben Personen suchen eine Heimat, und sie finden sie nur im Gesang. Da ist der grantelnde alte Zecher, der schon fast mumifiziert wirkt und dann wieder zu überraschenden Ausbrüchen neigt, hinreißend verkörpert und beseelt von dem großen alten Volksschauspieler Toni Berger. Seinen Enkel auf Rollschuhen, der ihn aus dem Wirtshaus holen will und dann selber dort hängen bleibt, spielt der stimmlich enorm vielseitige Christian Friedel. Hannes Hellmann gibt den hedonistischen Intellektuellen in Reinhard-Mey-Tonlage, Stephan Zinner einen Kellner mit umwerfender Blues-Röhre. Zu den Gästen zählen ferner Annette Paulmann und Anneke Schwab, deren Gesang abwechseln unter die Haut geht oder in die Knochen fährt, sowie Berivan Kaya als Einwanderin mit schwermütig verhangener Stimme und milieufremder Eleganz. Gut fünfzig Lieder sind es, in denen die Kommunikation über Tische und Bänke stattfindet, und viele von ihnen haben mit ?Heimat? oder mit dem schönen Land, das Deutschland heißt, erst auf den zweiten Blick etwas zu tun. Vom ?Hoamat, o Hoamat? der legendären Volkssängerin Bally Prell bis zum ?Schrei nach Liebe? der Gruppe Die Ärzte reicht das Spektrum, von Frank Sinatras ?My Kind Of Town? bis zu Ernst Jandls ?Sommerlied. Songs von Rühm, Qualtinger und Funny van Dannen stehen neben Brecht- und Heine Vertonungen von Franz Wittenbrink, Element of Crime und Erst Allgemeine Verunsicherung gehen mit türkischen Volksweisen und dem heimwehkranken Freddy Quinn eine musikalisch wie inhaltlich überzeugende Verbindung ein. Dass die Wirkung des Abends weit über die eines Kompottpourris hinausgeht, verdankt sich nicht nur dem Können der Sänger-Darsteller und der klug zurückhaltenden Regie von Frank Wittenbrink und Stephanie Mohr, sondern vor allem einer Auswahl und Zusammenstellung von Texten und Musik, die eine bezwingende innere Logik entfaltet. Kein erhobener Zeigefinger muss hier darauf hinweisen, dass Heimat wie Heimatlosigkeit globale Phänomene geworden sind, keine satirische Kettensäge ist vonnöten, um den tiefen Spalt sichtbar zu machen, der durch die deutsche Seele geht. So locker das Lachen sitzt und so nahe das Gruseln bisweilen rückt, so tief vermag Schuhmanns ?Mondnacht? zu rühren, und so seltsam wird einem ums Herz, wenn am Ende das mehrstimmig gesetzte ?Mich wundert, dass ich so fröhlich bin? aus dem Off ertönt, während Nebel über dem verlassenen Biergarten aufsteigt. Großer Jubel, viele Zugaben.?
Weiteres von Wittenbrink, das ich sehen durfte .....
Neues aus den Kammerspielen: Zu Beginn des Jahres freuen wir uns über diverse Auszeichnungen: Die AZ verlieh ihren STERN DES JAHRES an "Die Nibelungen" als herausragendste Inszenierung des Jahres. Julia Jentsch wurde sowohl von der AZ mit dem STERN DES JAHRES als auch von der tz mit dem ROSENSTRAUCH 2004 als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. Außerdem erhält sie vom Verband der deutschen Filmkritik den Preis als beste Darstellerin 2004 in dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei". Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, unbedingt anschauen!! und geradeeben wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin 2004 ausgezeichnet!
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Julia Jentsch spielt im Film "SOPHIE SCHOLL - Die letzten Tage" ( http://www.sophiescholl-derfilm.de/freiheit/) die Sophie.
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(Foto: Rabanus)