Donnerstag, 23.11.2006
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Sonntag, 19.11.2006
Der Olymp des Klaus Mann
Am 18. November 2006 wurde Klaus Manns 100. Geburtstag begangen. Uwe Naumann zeichnete heute am 19.11. in der Monacensia in München anhand zahlreicher eindrucksvoller Dias die Lebensstationen Klaus Manns nach und berichtete über Werk und Wirkung des Schriftstellers. Die Monacensia besitzt viele Dokumente zur Familie Mann und deren literarischem Umfeld
Naumann beantwortet die Frage , ob nur die besondere Dramatik seines Lebens ? als Enfant terrible der 'amazing family', Bohemien, bekennender Schwuler, kämpferischer Exilant, Morphinist ? Klaus Mann vor dem Vergessen schützt, nicht aber sein literarisches und essayistisches Werk, folgendermaßen:
"In gewisser Hinsicht kann man sagen: Sein Leben war sein Werk! Und genau dieses Leben fasziniert vor allem junge Menschen. Seine Schriften sind dabei von recht unterschiedlicher Qualität, teilweise mit viel Pathos und Gefühlsüberschwang, was heutige Leser nicht mehr unbedingt goutieren. Aber als Essayist und Briefeschreiber, auch als Tagebuchautor, ist er großartig; und seine Autobiographie Der Wendepunkt ist ein Buch von bleibender Bedeutung.
In diesem Buch schreibt Klaus Mann über seinen literarischen Olymp:
" Ich schau sie mir an, die Heiligen, die Dämonen meiner sechszehn Jahre, und ich finde keinen unter ihnen, dessen ich mich heute schämen müßte. ... Der Glanz, der mich einst blendete und berauschte, mag in einigen Fällen schwächer geworden sin; auch sind andere Sterne hinzugekommen, die jenen ersten Konstellationen den Rang streitig machen. Aber sie leuchten doch noch, die Sonnen meiner Jugend; ihre Feuer, selbst wo es an Stärke verloren hat, ist rein geblieben. Nein, ich habe mich nicht täuschen lassen von Irrlichtern und künstlichen Flammen, ich habe keine falschen Götter angebetet.In unverminderter Glorie strahlt das Viergestiern, das um diese Zeit meinen Himmel beherrschte und dem ich mich noch heute gerne anvertraue: Sokrates, Nietzsche, Novalis und Walt Whitman.
Ich liebte den Sokrates des 'Gastmahl' und des 'Phaidon', weil er die Schönen liebte - ach, mit welcher Verschlagenheit, welch zärtlicher Ambivalenz und schillernder Ironie! - und weil er alles vom Eros wußte und nichts von seinem furchtbaren Wissen verriet. ....
Ich liebte Nietzsche, nicht um seiner Lehre willen (weder der 'Übermensch' noch die 'Ewige Wiedekehr' haben mich je überzeugt), sondern als Künstler, als Gestalt. ...
Ich liebte Novalis, weil er mir tiefer als alle anderen bewandert schien in den Mysterien der Nacht, der Wollust, des Todes. ...
Ich liebte Walt Whitmann, den Amerikaner, 'of mighty Manhattan the son', weil er den Leib, den elektrischen, sang und weil er mein Kamerad sein wollte. Sein Zuspruch war kräftiger als die geisterhaften Winke des romantischen Sehers, weniger paradox und pathologisch als die krasse Selbstglorifizierung, Selbstgeiselung Zarathustras, weniger vertrackt und doppeldeutig als die ironische Dialektik des Sokrates. Der transatlantische Barde redete zu mir mit einem Überschwang, der niemals ins Hysterisch-Manische ausartet. Realistisch bei aller Hingerissenheit, zählte er in dithyrambischen Katalogen die Herrlichkeiten dieser Schöpfung auf."
Erika und Klaus Mann - Pamela Wedekind und Gustav Gründgens
Klaus Mann wurde aufs Wilhelmsgymnasium in der Thierschstraße in München geschickt, aber viel lieber als die Schule besuchte er das Arbeitszimmer seines Vaters - heimlich, das Betreten war für die Kinder strikt verboten. Doch Bücher wie die von Frank Wedekind, denen damals noch der Geruch des Verbotenen anhaftete, waren zu verlockend, um dem väterlichen Tabu Folge zu leisten.
Weitere Hinweise zu Klaus Mann:http://tamseeg.blogg.de/eintrag.php?id=263
http://www.rororo.de/sixcms/detail.php?id=1801533&_archiv
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,449217,00.html
Donnerstag, 09.11.2006
Steine mit Leben füllen
Montag, 06.11.2006
WAS SOLLTE DER VOM TODE FÜRCHTEN?
Von Golo Mann, sind seine Briefe 1932 - 1992 von Tilmann Lahme und Kathrin Lüssi im Wallstein Verlag herausgegeben worden. In der SZ findet sich eine besonders schöne Stelle, die Golo Mann an seinen Jugendfreund Polito schrieb:
"Alle den Menschen als solchen angehenden Wahrheiten scheinen mir im Grunde einfach. Wer sich sein reifes Leben lang Mühe gab, wer Freude für sich und andere suchte, wer mit angeborenen Schwächen so weit wie möglich zurecht kam, wer seine Talente nicht brach liegen liess, wer an Treue glaubte und sie übte, wer half, wo er helfen konnte und Helfen Sinn hatte, wer einmal dies glaubte und einmal das, weil er eben ein Mensch und kein Engel war - was sollte der vom Tode fürchten."
Sonntag, 05.11.2006
Die Glühende Mitte des Kosmos
Gestern sprach Mathias Trennert-Helwig, Münsterpfarrer und Stadtdekan von Konstanz, beim Forum der Jesuiten in München zum Thema " Dimensionen der Liebe bei Teilhard de Chardin"
Hier finden sich einige Aspekte seines Vortrages ...
Hier gibt es mehr über Teilhard de Chardin auf meinen Internetseiten...
Montag, 23.10.2006
DIE EINS
?Im Anfang war das Wort ??,
aber es könnte auch lauten, am Anfang war die
Zahl.
Denn ?Er, der ist und sein wird?, beschreibt eine
kosmische Ausdehnung, die unendlich ist.
Sonntag, 22.10.2006
Der souveräne, freie Blick
Vor hundert Jahren, am 22.Oktober 1906:
Paul Cézanne stirbt an den Folgen einer Lungenentzündung in Aix-en-Provence. Er war beim Malen in ein Unwetter geraten.
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Cezanne's Mont-Sainte Victoire, 1900
Andreas Beyer widmet in der SZ Paul Cézanne einen hymnischen Artikel. Cézanne summiere kritisch die Maltradition und stelle die Bausteine der Moderne bereit.
Donnerstag, 19.10.2006
Vernunft und Glaube
Auf die in der SZ vom 17.10.2006 gemachten Ausführungen von Kurt Flasch sollte Papst Benedikt XVI. antworten. Er sollte die Gelegenheit wahrnehmen um manches klarzustellen, was in seiner Regensburger Vorlesung nicht ausreichend berücksichtigt oder auch missverständlich vermittelt wurde.
Nach Kurt Flasch war es das Argumentationsziel Papst Benedikts aufzuzeigen,
dass religiöse Unterschiede keine Gewaltanwendung rechtfertigen
und dass das Christentum eine ?harmonische Verbindung von Vernunft und Glauben, von Griechentum und Christentum? ist.
?Dies sind die klar erkennbaren Grundlinien; hierüber gibt es keine Missverständnisse?.
Flasch fragt weiter: ?Worüber dann der Ärger? Wieso verkehrte sich die Aufforderung zum Dialog ins Gegenteil?? und führt dazu eine Reihe von Gründen auf:
Zunächst zum Stein des Anstosses, das Zitat des griechischen Kaisers über Mohammed.
Flasch dazu:
?Wissenschaftlich und islamfreundlich wäre es gewesen, diese Behauptung nicht nur kommentarlos zu wiederholen, sondern sie entweder wegzulassen oder zu überprüfen. Trifft sie zu, ja oder nein? ... Diese Sorgfalt hat der Papst nicht angewendet.? Und Flasch fragt weiter: ?Hat er die politische Brisanz seiner Unterlassung nicht erkannt oder hat er sie gewollt??
In der Fußnote der auf den Internetseiten des Vatikans [3] veröffentlichten Vorlesung gibt Papst Benedikt folgenden Kommentar:
?Dieses Zitat ist in der muslimischen Welt leider als Ausdruck meiner eigenen Position aufgefaßt worden und hat so begreiflicherweise Empörung hervorgerufen. Ich hoffe, daß der Leser meines Textes sofort erkennen kann, daß dieser Satz nicht meine eigene Haltung dem Koran gegenüber ausdrückt, dem gegenüber ich die Ehrfurcht empfinde, die dem heiligen Buch einer großen Religion gebührt. Bei der Zitation des Texts von Kaiser Manuel II. ging es mir einzig darum, auf den wesentlichen Zusammenhang zwischen Glaube und Vernunft hinzuführen. In diesem Punkt stimme ich Manuel zu, ohne mir deshalb seine Polemik zuzueignen.?
Papst Benedikt beschreibt den Gottesbegriff des Islam. ?Dieser sei ?entweder völlig unbestimmt oder irrationale Willensenergie. Die christliche Auffassung denke hingegen Gott als Vernunft (Logos) und Liebe.?
?Dieses hier angedeutete innere Zugehen aufeinander, das sich zwischen biblischem Glauben und griechischem philosophischem Fragen vollzogen hat, ist ein nicht nur religionsgeschichtlich, sondern weltgeschichtlich entscheidender Vorgang, der uns auch heute in die Pflicht nimmt. Wenn man diese Begegnung sieht, ist es nicht verwunderlich, daß das Christentum trotz seines Ursprungs und wichtiger Entfaltungen im Orient schließlich seine geschichtlich entscheidende Prägung in Europa gefunden hat. Wir können auch umgekehrt sagen: Diese Begegnung, zu der dann noch das Erbe Roms hinzutritt, hat Europa geschaffen und bleibt die Grundlage dessen, was man mit Recht Europa nennen kann.?
Flasch sieht hier eine ?unhistorische Schwarz-Weiß-Malerei?, die nicht der tatsächlichen westlichen Denkentwicklungen? entspricht und auch die ?vielfältigen denkerischen Bemühungen im Islam? verkürzt.
Er geht dann auf das Verhältnis von Macht und Gewalt in den Religionen ein. Der Papst führte aus, dass die Sure 2,256 eine Sure sei, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Als Mohammed dann Macht besaß, rechtfertigte er die Gewalt.
Dagegen setzt Flasch die Feststellung, das die Kirche ?die Toleranz erst entdeckte, als ihr Militär und Polizei nicht mehr zur Verfügung standen. Als sie schwach war, sprach sie sanft.?
Er geht auch auf Thomas von Aquin ein, der als ?Grundsatz der christlichen Moraltheologie verkünde, ein Getaufter, der den christlichen Glauben ablege, sei des Todes würdig und dem weltlichen Arm zur Hinrichtung zu übergeben? , gleichzeitig aber eine gewaltsame Bekehrung Ungetaufter verwarf.
?Als das Christentum 313 an die Macht kam, eignete es sich ? in kurzer Zeit jene Zwangsmaßnahmen an, unter denen es bis dahin selbst gelitten hatte.?
Flasch zitiert dazu das ?Lexikon für Theologie?: ?Als es machtlos war, plädierte es für Glaubensfreiheit. Wo es Staatsreligion war, regierte es fundamentalistisch roh gegen Häretikergruppen. Noch wo es im 19. Jahrhundert die Mehrheit stellte, polemisierte es gegen die Idee der Toleranz.?
Flasch geht auch ausführlich auf den von Papst Benedikt aufgeführten Hinweis auf Kant ein:
?In einer für die Reformatoren nicht vorhersehbaren Radikalität hat Kant mit seiner Aussage, er habe das Denken beiseite schaffen müssen, um dem Glauben Platz zu machen, aus diesem Programm heraus gehandelt. Er hat dabei den Glauben ausschließlich in der praktischen Vernunft verankert und ihm den Zugang zum Ganzen der Wirklichkeit abgesprochen.?
Kant sagte aber in der Vorrede zur zweiten Auflage der ?Kritik der reinen Vernunft?: ? Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.?
Auch Robert Spaemann machte in seinem Vortrag in der Katholischen Akademie auf diesen ?Lapsus? aufmerksam. Flasch bezichtigt Papst Benedikt der ?üblen Nachrede?. ?Die historische Einordnung Kants als Vollendung der Intention der Reformatoren (Luthers? Calvins?) entspricht einem überholten Forschungsstand; das Gegenteil zeigen Kants Texte und neuerdings die große Kant-Biographie von Manfred Kühn. Der Papst will das Christentum als Erbe der antiken Vernunft. Dafür fordert er einen ?weiten? Begriff der ?Vernunft? ohne zu sagen, was das ist, außer dass die Vernunft mit dem Glauben harmoniert.?
Hierzu hatte aus meiner Sicht Robert Spaemann in seinem Vortrag in der Katholischen Akademie einiges zu sagen. Ich werde versuchen seine Gedankengänge bei Gelegenheit hier auszuführen.
Weiteres zu dieser Thematik:
?Mit den Schriftbesitzern streitet nicht, außer auf die anständigste Weise . . .?
Die Tagespost vom 19.10.2006 von Stephan Baier
Papst Benedikt XVI. hat die islamischen Intellektuellen in Regensburg herausgefordert. Nun haben 38 ihrer exponierten Autoritäten zu einer Antwort gefunden. Der Dialog ist eröffnet.Glaube und Vernunft?
Die enttäuschte Hoffung des Papstes
Von Armin SchwibachMuslimische Gelehrte antworten dem Papst
- Kommentar und Zusammenfassung von Jörg Lau
Antwort auf den Papst läßt hoffen, dass ein echter Dialog beginnen kann, nachdem der unaufrichtige Scheindialog ans Ende gekommen ist.
Freitag, 13.10.2006
NEUE SEITEN AUFZIEHEN
Sonntag, 01.10.2006
RÜCKKEHR VOM EINGANG ZUM PARADIES
Sonntag, 10.09.2006
SCHRITT FÜR SCHRITT
OPUS 60
in Frey - Tour
in 12 Variationen
unterwegs von
Passau nach Wien
versehen mit dem päpstlichen Segen.
Freitag, 08.09.2006
SCHWARZ - WEIß

Mosaik-Arbeit von 1955
(leider in einer nicht besonders guten Wiedergabe)
Entdeckung der eindrucksvollen Bucheinbände
von Pierre-Lucien Martin,
in der derzeitigen Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek.
Hier noch ein paar Beispiele:



Dienstag, 05.09.2006
CARDO - WENDE- UND ANGELPUNKT

cardo
(lateinisch "Wendepunkt, Türangel - wo die Türe sich dreht")
Montag, 04.09.2006
SCHWEIGEN UND TUN
In der SZ von heute wird von Alexander Kissler nachgefragt, welchen Herausforderungen sich Papst Benedikt im 17. Monat seines Pontifikats stellt. Er weist auf eines seiner Hauptanliegen hin, in Wahrung der Kontinuität eine Respiritualisierung herbeizuführen, die auf mehr Einfachheit ausgerichtet ist. Eine anspruchslose, ungekünstelte, bescheidene, aufs wesentliche reduzierte Religiosität, die sich auch in einer Entschlackung der Liturgie widerspiegelt, ist das Gegenprogramm zum "Pomp des Teufels". Aber auch nicht in der Gewöhnung, nicht in der Konvention ist die Transzendenz zu erfahren, sondern im Schweigen und Tun.
Als Krönung seines Pontifikats würde Benedikt XVI. wohl einen Besuch in Moskau ansehen. Es sieht mit der orthodoxen Kirche vor allem eine Übereinstimmung im Verständnis der Kirche, als einer Gemeinschaft aller Zeiten.
Der Nationalsozialismus ist für Benedikt eine "wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie", die den Versuch unternahm Gott zu töten.
Die Juden bezeichnet er als "unsere geliebten und auserwählten Brüder".
Freitag, 01.09.2006
BACH - SCHOSTAKOWITSCH
Zur Zeit findet in München der 55. ARD Musikwettbewerb statt. Ich hörte mir bisher das Fach Klavier an. Die jungen Künstler müssen im 1. Durchgang aus vier Werkgruppen Stücke vortragen. Jeder hat dabei auch aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Johann Sebastian Bach zu spielen. Diese Stücke stehen nicht von ungefähr am Beginn des 1. Durchganges. Hier zeigt sich doch sehr schnell, wer Chancen hat weiter zu kommen.
Hier ein Ausschnitt aus dem Autographen ...
Zahlreiche Komponisten ließen sich vom "Wohltemperierten Klavier inspirieren".
So komponierte Dmitri Schostakowitsch ?24 Präludien und Fugen für Klavier? (entstanden 1950 / 1951). Auch der 1942 entstandene Klavierzyklus Ludus tonalis, Studies in Counterpoint, Tonal Organization and Piano Playing von Paul Hindemith, der aus 12 Präludien und Fugen besteht, nahm das Wohltemperierte Klavier zum Vorbild. Weitere Beispiele sind die ?24 Präludien und Fugen für Klavier? von Rodion Schtschedrin.
Die Bedeutung von Bachs Werk ist auf den Reichtum an musikalischer Substanz und kontrapunktischer Kunstfertigkeit zurückzuführen. Genauer sagen mir die kunsttheoretischen Ausführungen von Dieter Henrich in "Versuch über Kunst und Leben" wie sich solche Werke auch bei mir ereignen können.
"Man muß Kunst im allgemeinen von bedeutender und großer Kunst unterscheiden. Eine hinreichende ... Bedingung für Kunst im emphatischen Sinn ist es, daß sie in eine Konkordanz zur Verlaufsform der Subjektivität gelangt. Es wurde erklärt, daß sie Kontraste sich gegeneinander ausbilden und entfalten läßt, und zwar so, daß in einem damit ein Weg ausgelegt wird, auf dem diese Kontraste zusammengeführt oder in eine definitive Zuordnung versetzt werden, ohne das ihre Gegensätzlichkeit dementiert werden muß. Das alles geschieht innerhalb der Vorgabe einer Grundordnung, die dem Ausgriff des bewußten Lebens auf einen Zusammenhang entspricht, der, wäre er denn auch zuletzt noch angemessen als Welt zu verstehen, eine Integrationswelt genannt werden könnte. Es geschieht insbesondere so, daß sich die Entfaltung und die Zusammenführung des Gegensätzlichen nicht nur faktisch ergeben, sondern sie durchgängig als solche auch erfahren werden. Das schließt ein, daß das Kunstwerk diese seine synthetisierende Verfassung als solche auch anzeigt. weiter noch bedeutet es, daß der Verlauf als ganzer innerhalb seiner selbst zur Übersicht kommt und daß er auch so organisiert ist, daß sein Zugehen auf solche Übersicht und sein Abschluß von dieser Übersicht her bereits den Verlauf als ganzen bestimmen und daß sie innerhalb seiner auch immer mit erfahren oder antizipiert werden."
Donnerstag, 31.08.2006
BISER - NIETZSCHE - HITLER
In einem Interview, das am 27.8.2006 vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, tat der 88 jährige Religionsphilosoph Eugen Biser etwas von seinen Plänen kund.
Er sprach von seiner "Theologischen Triologie", von der er bisher zwei Teile verwirklichen konnte. Der erste Teil widmete sich der "Gotteskindschaft" Jesu, der zweite Teil - das Herzstück - hat Jesus als Christus zum Thema, der die Botschaft Gottes leibhaftig verkörpert.
Überraschend war es für mich, dass er im dritten Teil eine "Abrechnung mit den Zeitverhältnissen" und besonders eine Auseinandersetzung mit Hitler vornehmen möchte. Das Thema des Nationalsozialismus mit seinen antichristlichen Elementen sei noch nicht aufgearbeitet. Er fragt sich allerdings, ob er dies noch schaffen wird.
In der Philosophie und in der Theologie wurde immer wieder vom Tod Gottes gesprochen, aber sind dieser Reden auch ernst genommen worden? Hitler, so Biser, ist es gelungen, Gott in den Herzen der Menschen zu töten.
Zu diesem Thema sind folgende Verweise interessant:
Ernst Tugendhat hat in einem ZEIT-Artikel über "Macht und Antiegalitarismus bei Hitler und Nietzsche" ausführlich Stellung genommen. "Wer heute Nietzsche liest, muss entweder gegenüber bestimmten Aussagen die Augen schließen oder ausrufen: "Oh wenn du gewusst hättest."
Zum Beleg:Nietzsche über "Mein Begriff von Freiheit" aus "Götzen-Dämmerung - Streifzügen eines Unzeitgemäßen"
38.
Mein Begriff von Freiheit. - Der Werth einer Sache liegt mitunter nicht in dem, was man mit ihr erreicht, sondern in dem, was man für sie bezahlt, - was sie uns kostet. Ich gebe ein Beispiel. Die liberalen Institutionen hören alsbald auf, liberal zu sein, sobald sie erreicht sind: es giebt später keine ärgeren und gründlicheren Schädiger der Freiheit, als liberale Institutionen. Man weiss ja, was sie zu Wege bringen: sie unterminiren den Willen zur Macht, sie sind die zur Moral erhobene Nivellirung von Berg und Tal, sie machen klein, feige und genüsslich, - mit ihnen triumphirt jedesmal das Heerdenthier. Liberalismus: auf deutsch Heerden-Verthierung ... Dieselben Institutionen bringen, so lange sie noch erkämpft werden, ganz andere Wirkungen hervor; sie fördern dann in der That die Freiheit auf eine mächtige Weise. Genauer zugesehn, ist es der Krieg, der diese Wirkungen hervorbringt, der Krieg um liberale Institutionen, der als Krieg die illiberalen Instinkte dauern lässt. Und der Krieg erzieht zur Freiheit. Denn was ist Freiheit! Dass man den Willen zur Selbstverantwortlichkeit hat. Dass man die Distanz, die uns abtrennt, festhält. Dass man gegen Mühsal, Härte, Entbehrung, selbst gegen das Leben gleichgültiger wird. Dass man bereit ist, seiner Sache Menschen zu opfern, sich selber nicht abgerechnet. Freiheit bedeutet, dass die männlichen, die kriegs- und siegsfrohen Instinkte die Herrschaft haben über andre Instinkte, zum Beispiel über die des "Glücks". Der freigewordne Mensch, um wie viel mehr der freigewordne Geist, tritt mit Füssen auf die verächtliche Art von Wohlbefinden, von dem Krämer, Christen, Kühe, Weiber, Engländer und andre Demokraten träumen. Der freie Mensch ist Krieger. - Wonach misst sich die Freiheit, bei Einzelnen, wie bei Völkern? Nach dem Widerstand, der überwunden werden muss, nach der Mühe, die es kostet, oben zu bleiben. Den höchsten Typus freier Menschen hätte man dort zu suchen, wo beständig der höchste Widerstand überwunden wird: fünf Schritt weit von der Tyrannei, dicht an der Schwelle der Gefahr der Knechtschaft. Dies ist psychologisch wahr, wenn man hier unter den "Tyrannen" unerbittliche und furchtbare Instinkte begreift, die das Maximum von Autorität und Zucht gegen sich herausfordern - schönster Typus Julius Caesar -; dies ist auch politisch wahr, man mache nur seinen Gang durch die Geschichte. Die Völker, die Etwas werth waren, werth wurden, wurden dies nie unter liberalen Institutionen: die große Gefahr machte Etwas aus ihnen, das Ehrfurcht verdient, die Gefahr, die uns unsre Hülfsmittel, unsre Tugenden, unsre Wehr und Waffen, unsern Geist erst kennen lehrt, - die uns zwingt, stark zu sein ... Erster Grundsatz: man muss es nöthig haben, stark zu sein: sonst wird man's nie. - Jene grossen Treibhäuser für starke, für die stärkste Art Mensch, die es bisher gegeben hat, die aristokratischen Gemeinwesen in der Art von Rom und Venedig verstanden Freiheit genau in dem Sinne, wie ich das Wort Freiheit verstehe: als Etwas, das man hat und nicht hat, das man will, das man erobert ...
Biser hat über Nietzsches provakative Kritik des Christentums ein Buch mit dem Titel "Gottsucher oder Antichrist" geschrieben und dieses Karl Löwith, dem Menschen und Denker in dankbarer Erinnerung, gewidmet. Biser sieht Nietzsche als kritischen Außenseiter, denen das Christentum noch immer wichtigste Erkenntnisse und Impulse zu verdanken hat. "Wie kein anderer geriet Nietzsche ... in den Verdacht, der Vorbote und Eideshelfer Hitlers zu sein. Daß dieser dem Nietzsche-Archiv einen Besuch abstattete, seiner 1935 verstorbenen Leiterin ein Staatsbegräbnis ausrichten ließ und Mussolini zu dessen 50. Geburtstag eine eisenbeschlagene Prachtausgabe des 'Zarathustra' übersandte, schien diesen Verdacht aufs nachdrücklichste zu bekräftigen."
Samstag, 26.08.2006
ALL-EINHEIT / ALL-JETZT
Dieter Henrich in "Versuch über Kunst und Leben" (Edition Akzente Hanser) bringt den alten Grundgedanken über die Beziehung von All-Einheit und All-Jetzt sehr komprimiert aber auch sehr klar zu Ausdruck, wenn er ausführt:
Das in sich eingeschränkte Endliche steht dem Schrankenlosen, dem Absoluten nicht nur als sein Anderes gegenüber.
Das, was als Absolutes in sich selbst alles ist, ist dies nur insofern, als es in das Einzelne eingeht und ihm auf jeweils andere Weise die Verfassung gibt, durch dies es sich von anderen unterscheidet.
Das Leitwort, das diesem Gedanken Ausdruck gab, ist das von der All-Einheit.
Wenden wir diesen Gedanken nun auf die Zeit und auf die Verfassung der Einzelnen, die einem Prozeß in der Zeit unterliegen und die sich in ihm zu verwirklichen haben, so wird er unmittelbar in den Gedanken von einem All-Jetzt transformiert:
Das Eine, das alles einbegreift, ist in jedem gegenwärtig, was in der Zeit aufkommt.
Denn was für jedes Einzelne als solches gilt, gilt vielleicht auch für das Einzelne in dem Gang, den die Zeit selbst in ihm nimmt. Es gilt aber zumal für die Phasen und Stadien des Einzelnen, das - wie die Subjektivität - sich allein in einem Gang zu vollziehen vermag.

Diese Apfel ist in sich selbst ein kleines Universum; sein Kern, der heißer ist als die anderen Teile, strahlt die bewahrende Hitze seines Globus aus; und dieser Keim ... ist die kleine Sonne dieser kleinen Welt, die das vegetative Salz dieser kleinen Masse erwärmt und ernährt.
(Aus: Cyrano de Bergerac von Gaston Rostand)
Freitag, 25.08.2006
BISER UND BENEDIKT
Interview mit EUGEN BISER zum 60jährigen Priesterjubiläum, geführt von Wolfgang Küpper,
zu hören in BAYERN 5 - B5 Aktuell
am Sonntag, 27. August, 6.05 Uhr und 20.05 Uhr
Aus der Ankündigung:
"Er ist einer der wenigen großen Theologen und Religionsphilosophen, die das vergangene Jahrhundert so gut wie ganz erlebt haben, mit all seinen Tiefen, Höhen und Wendepunkten. Professor Eugen Biser wurde noch während des Ersten Weltkriegs am 6. Januar 1918 in Oberbergen am Kaiserstuhl geboren. Im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet, schloss Biser 1946 sein Theologiestudium ab und wurde im selben Jahr zum Priester geweiht. Anschließend arbeitete er 20 Jahre als Religionslehrer, erst dann begann seine Hochschullaufbahn. Zuletzt war er Inhaber des Guardini-Lehrstuhls an der LMU in München. Anlässlich des 60jährigen Priesterjubiläums habe ich mit Professor Biser über sein Lebenswerk gesprochen. Er hat mir dabei u.a. verraten, dass er derzeit an einer abschließenden Trilogie arbeitet und dass Benedikt XVI. schon jetzt für ihn einer der größten Päpste der Kirchengeschichte ist. Zu tun hat dies mit dessen erster Enzyklika ?Deus caritas est?. Biser erkennt hier Parallelen zu seinem eigenen theologischen Werk."
Aus-gedacht (Eine dürre und eine fette Version)
Ausschnitt von Ron Muecks "Big Man"Nach- und VorausdenkenEugen Biser, der 1918 geborene Religionsphilosoph, eröffnete das Wintersemester am 25.10.2005 an LMU in München mit der Vorstellung seines Konzeptes einer "Neuen Theologie". Sein Vortrag war wie immer lebendig und frisch, wenn er auch körperlich etwas gebrechlich wirkte.Hier seine Kerngedanken mit Anmerkungen ....
29.10.2005 Zum EintragEugen Biser zur Wahl Benedikts XVI.
In der Süddeutschen Zeitung von heute gibt Eugen Biser ein Interview über die Papstwahl. Hier einige Auszüge:War es eine gute Wahl?Eine ausgezeichnete.Trotz aller Konflikte, die die deutschen Katholiken mit ihm hatten?Die bisherige Tätigkeit war ihm aufgetragen und von ihm nie gesucht - und eine der schwierigsten in der Kirche.Ist man an dieser Stelle automatisch ein Bremser?
22.04.2005 Zum Eintrag
Zeitrhythmen
...ende" 1844 - Neue Pinakothek in München Kurzwiedergabe einiger Gedanken der Vorlesung von Eugen Biser am Mittwoch, den 1.12.2004 in der LMU in München Biser unterscheidet ein zyklisches von einem linearen Geschichtsbild. Die Griechen kannten noch keine Fortschrittsidee. Diese kam erst durch das Judentum, genauer durch die jüdischen Propheten, in die Menschheitsgeschichte.
2.12.2004 Zum EintragEugen Biser - Vorlesungsmitzeichnungen
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30.11.2004 Zum EintragDas spirituelle Vakuum: Sichtweise des Religionsphilosophen Eugen Biser
... Unter dem Titel "Das spirituelle Vakuum: Die entbehrte Mystik" führt der Religionsphilosoph Eugen Biser in seinem Buch "Glaubensprognose" aus: "Wenn die Anzeichen nicht trügen, steht das Christentum insgesamt im Begriff, sich von seiner moralischen Selbstdarstellung [..] zu verabschieden, um in seine mystische Zukunft einzutreten.
29.11.2004 Zum Eintrag
DARÜBER HINAUSSCHAUEN
Donnerstag, 24.08.2006
STERNENKUNDIG UND STURMERPROBT

Rudern zwei in einem Boot,
der eine kundig der Sterne,
der andere kundig der Stürme,
wird der eine führen durch die Sterne,
wird der andere führen durch die Stürme,
und am Ende, ganz am Ende,
wird das Meer in der Erinnerung blau sein.
Reiner Kunze





